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Beitrag Kulturagenda Nov 2012

Off-Spaces - Kunstorte auf Zeit von Michael Feller

Off-Spaces und nomadische Ausstellungsprojekte sind aus der zeitgenössischen Kunstszene nicht mehr wegzudenken. Aber sie kämpfen um Anerkennung. Eine Annäherung. 

Ines Schärer und Ramon Feller warten bereits vor einem Schaufenster an der Bierhübelistrasse. Dahinter arbeitet ein Mann in seinem Büro. Erst auf den zweiten Blick sind die beiden Kunstobjekte im Schaufenster zu sehen, eine Glasarbeit von Matthias Liechti und eine Videoinstallation von Gian-Andri Töndury. «Ich komme täglich hier vorbei und fand irgendwann, dass sich das Schaufenster als Kunstraum eignen würde», sagt Feller (der mit dem Autor nicht verwandt ist). Für ein paar Wochen ist die Vitrine nun der dritte Ausstellungsort von «Projekt Da» der beiden Künstler Schärer und Feller.

Unerwartete Kunstorte wecken Interesse

Zwischennutzungen, nomadische Ausstellungskonzepte, Pop-up-Galerien – die unbeständigen Kunstorte sind im Aufschwung und aus der zeitgenössischen Kunst nicht mehr wegzudenken. Gerade für junge Kunstschaffende haben diese Off-Spaces eine grosse Bedeutung; für diejenigen www.mg-locations.com also, die den Schritt in die Institution Kunsthalle oder in den Kunstmarkt der Galerien noch nicht geschafft haben – oder deren Kunst gar nicht dort hinpasst. Auch für das Publikum sind Ausstellungen interessant, wenn sie anderswo als in den etablierten Kunsthäusern stattfinden. Man denke an den «Palazzo Wyler», die Zwischennutzung eines ehemaligen Wohnblocks durch einige Berner Künstler im vergangenen Februar. Oder an die Kunstprojekte von Artacks, die hohe Resonanz erhalten. Andere Ausstellungsprojekte sind leiser und treffen die Betrachter unverhoffter – wie jenes von Schärer/Feller.
Trotz ihrer Vielzahl und Bedeutung kämpfen die Kunsträume mit Problemen. Als zu Beginn des Jahres die neue Kulturförderungsverordnung des Bundes in Kraft trat, ging ein Aufschrei durch die Szene. Die Unterstützung für unabhängige Kunsträume wurde ersatzlos gestrichen. Zuvor gab es über «Preise für Kunsträume» insgesamt 220 000 Franken Unterstützung.

Off-Spaces organisieren sich

Der Verlust hat dazu geführt, dass sich die einzelnen Projekte zusammenschliessen. Die «Charta 2016» nimmt auf ihrer Internetsite zur gestrichenen Förderung Stellung und fordert neue Unterstützungsgelder. Auch in Bern hat sich jüngst mit dem «Kollektiv Bern» eine Gruppe der freien Aussteller gebildet. Allerdings ist für sie die Politik nur ein Grund für den Austausch, ein anderer ist die Vernetzung. Ausser dem «Projekt Da» besteht die Gruppe aus Kunstorten wie Transform von Franz Krähenbühl und Sibylle Heiniger dem oder das Nomad-Project von Alain Jenzer.
Doch was ist die Motivation, einen unbeständigen Kunstraum aufzubauen? «Mich interessiert die Frage: Was löst ein bestimmter Ort aus, welche Kunst entsteht darin?», sagt Ines Schärer. Sie und Ramon Feller haben einen Bachelor in freier Kunst in der Tasche und arbeiten im Atelier Feld 65 in den Vidmarhallen an ihren eigenen Kunstprojekten. Ihr «Projekt Da» nutzen sie jedoch nicht, um ihre eigene Kunst auszustellen. «Wir möchten interessante Künstler kennen lernen und uns vernetzen», sagt Schärer.

Fidlerin mit Projektraum

Szenenwechsel. Am Bahnstrasse 21 betreibt Stefanie Aeschlimann mit einer ziemlich anderen Motivation ihr «Projektorium». Für die Fidlerin von An Lár und von Shirley Grimes ist der Raum ein «Spielplatz, um alles Mögliche auszuprobieren». Sie beschränkt sich nicht auf Kunstausstellungen und hat bisher auch nicht den Kontakt zu anderen Projekten gesucht. Sie hat vielmehr versucht, mit ihrem bestehenden Kontaktnetz einen vorübergehenden Kulturort zu schaffen. Hier gab es seit März Konzerte, Ausstellungen, Theater und für eine Nacht sogar einen Coiffeursalon. Aktuell sind Werke des Künstlers Gamelle zu sehen. Ende Januar ist Schluss – die ehemalige Liegenschaft der Kehrichtverbrennungsanlage wird abgerissen. Das kommt Aeschlimann nicht ungelegen: «Sobald etwas fertig ist, muss man etwas Neues machen», sagt sie. Das Projektorium soll weiterleben, in welcher Form und wo, ist aber noch offen.
Die unabhängigen Kunsträume sind vielgestaltig wie die Kunst, die sie zeigen – sie sind wichtig für eine Stadt, weil sie helfen zu verhinden, dass die Kultur stehenbleibt.